Das Internet schäumt nur so über vor Trauerbekenntnissen und „Rest in Peace, King of Pop!“-Rufen. Wahrscheinlich bin ich der 128571234 Blogmensch, der seinen Senf zu diesem popkulturell einschneidenden Ereignis zu geben versucht. Daran wundert mich nicht etwa, dass es außer mir so viele Menschen gibt, die kein Leben und deshalb Zeit für unnötige, internetüberfüllende Texte haben, vielmehr erstaunt es mich, dass der von mir sonst so unverehrte Mr. Jackson nicht gegangen ist, ohne mich verblüfft zurückzulassen. Schließlich kannte ich diesen Menschen nicht persönlich, fand seine Musik eher mittelmäßig bis überhaupt nicht gut und empfinde auch kein bisschen ehrliche Trauer.
Trotzdem denke ich über meinen allerallerersten Hugoo-Artikel nach und weiß noch, wie ich damals geschrieben habe: „Michael Jackson ist jetzt 50 Jahre alt. [...] Was wünschen wir dem King of Pop also zum Geburtstag? Weitere 50 Jahre für weitere verstümmelnde Operationen? Eher nicht.“
Damals wusste ich nicht, dass Michael Jackson ein knappes Jahr später genau dies tun würde, genau das, was ich ihm damals geraten hätte: aufhören, weggehen. In erster Linie: gehen. Nun ist er allerdings doch sehr, sehr endgültig gegangen. Ein Haus auf einer einsamen Insel für den alternden Jackson hätte mit schon gereicht, so ein Herzstillstand ist da eher der krassere Weg, sich von der Welt zu verabschieden. Man will nicht sagen, dass es vielleicht das Beste für den King of Pop war, denn der Tod ist grundsätzlich für niemanden etwas wirklich erstrebenswertes, aber wer weiß, was noch gekommen wäre, wenn der Herzstillstand ein bisschen auf sich hätte warten lassen. Alle enttäuschten Fans können sich ja einfach darauf verlassen, dass Michael Jackson den gleichen Weg gewählt hat wie Elvis und eigentlich doch irgendwo auf einer kleinen Insel unter einer Palme liegt, sich die Sonne auf den schwarzen Regenschirm scheinen lässt, während er durch ein Loch in seinem Mundschutzatemmaskending einen alkoholfreien Cocktail schlürft. Mit diesem Bild im Kopf schläft man dann gleich viel ruhiger ein.
Ob man vor Michael Jacksons Tod als sein treuer Fan so gut schlafen konnte, kann ich nicht beurteilen, aber es war schon eigenartig, sich diesen Menschen im Fernsehen anzusehen, wie er sich selbst verstümmelte, seine eigenen Kinder beinahe aus Hochhäusern fallen ließ, die Kinder anderer Leute möglicherweise missbrauchte, sein gesamtes Vermögen auf wundersame Weise verlor und letztendlich nicht mal mehr ein Schatten seiner selbst war.
Aber alle, die vorher eher die Begriffe „pädophil“, „Nase“ und „Absturz“ mit dem King of Pop assoziierten sind auf einmal schrecklich traurig über den Abgang des Phänomens. Nach dem Motto: „Keine Witze über Tote!“ heuchelt ein Großteil der Bevölkerung Mitgefühl. Kritik sollte man allerdings schon anbringen dürfen und wollen. Sicherlich konnte Mr.Jackson irgendwas, Lebensklugheit und Vernunft dürften aber keineswegs zu seinen großen Talenten gehört haben.
Jetzt ist er weg.
Und ich bin nicht traurig.
Es ist mir eher egal.
In meinem Leben ändert sich ja nichts.
Trotzdem ist es komisch.
Juni 26, 2009
Aha. Michael Jackson ist tot.
Juni 17, 2009
Zwei, die sich nicht verstehen
Der Teilchenbeschleuniger und die Ethik
„Da achtet man dann erstmal nicht so auf Produktivität, sondern es geht einfach um die Forschung!“, sagt Herr Schröer. Dies ist seine Antwort auf die Frage, warum irgendwo in der Schweiz mit Hilfe eines technisch hochentwickelten Apparats, der die Ausmaße einer Kleinstadt hat, sehr kleine Teilchen mit einer Geschwindigkeit, die dem Licht sehr nahe kommt, sehr schnell aufeinandergeschossen werden, nur um hinterher festzustellen, dass man sie noch kleiner machen kann. Für so ein Projekt fließen dann eben auch mal drei Milliarden Euro aus den Kassen verschiedener Staaten, schließlich geht es um Forschung, und Forschung ist Fortschritt und Fortschritt brauchen wir.
Aber in welche Richtung?
Mal ganz davon abgesehen, dass die Menschheit mit der Entwicklung der Atombombe eher einen Schritt zur Selbstzerstörung als zum Besseren gemacht hat, sollte man sich vielleicht überlegen, ob Fortschritt denn wirklich immer so richtig ist.
Bis jetzt hat er uns nur Folgendes gebracht: Angst vor dem Weltuntergang durch einen Atomkrieg, Barbara Sommer als Schulministerin, die Umweltverschmutzung, Bushido/Sido, den Roman von Charlotte Roche, krebserregendes Spielzeug aus China, Kinderarbeit in China, ungerechte Verteilung von Wohlstand auf die einzelnen Kontinente, Ungerechtigkeit im Allgemeinen, Internetsinglebörsen, Lady Gaga auf der ewigen Poleposition in den deutschen Charts, rumschwulende Hauptstadtbürgermeister, den Tod von Lady Diana, Kinderpornografie, Paris Hilton, den vorläufigen Ruhestand von „Wir sind Helden“, streunende Hunde in Russland, verstrahlte Kinder in Hiroshima, verstrahlte Prominente auf roten Teppichen.
Und jetzt kommen sie wieder alle an. „Aber du würdest doch auch nicht ohne fließenden Strom und Wasser leben können! Wir wollen ja nicht wieder leben wie in der Steinzeit, und davor schützt uns die Kernenergie. Deswegen müssen wir Teilchen ganz schnell aufeinander knallen lassen, damit wir neue Erkenntnisse für bessere Kraftwerke sammeln!“
Aber wollten wir nicht eigentlich alles auf Solaranlagen und Wind umstellen?
Hatten wir nicht vor, wieder lieb zu unserem Planeten zu sein?
Vielleicht stehen aber auch einfach die falschen Dinge oben auf meiner Prioritätenliste. Meiner Ansicht nach ist Fortschritt nicht nur technisch-naturwissenschaftlicher Natur, genau so müssen wir gesellschaftlich und menschlich noch ein paar Schritte laufen, bis wir da sind, wo wir doch eigentlich schon lange sein könnten, wenn da nicht immer diese Leute mit ihren Teilchenbeschleunigern kämen. Alle drei Sekunden stirbt ein Kind irgendwo auf der Welt, weil es nichts zu essen hatte. Die ganze Zeit werden irgendwo in Deutschland Kinder schlecht behandelt und haben möglicherweise Probleme, aus denen man ihnen mit ein bisschen finanzieller Unterstützung hinaushelfen könnte. Traurig.
Herr Schröer, sie waren doch bestimmt gut in Mathe.
Wie vielen Kindern hätte man mit drei Milliarden Euro helfen können?
Wie lange wäre mit drei Milliarden Euro mal nicht alle drei Sekunden ein kleiner Mensch gestorben?
Meiner Meinung nach wäre eine halbe Minute ohne tote Kinder bereits drei Milliarden Euro wert.
Allerdings will ich nicht wie die arrogante Weltverbesserin klingen.